Klassische Ausleitungsverfahren



Die klassischen Ab- und Ausleitungsverfahren finden ihre Ursprünge schon beim bekannten griechischen Arzt Hippokrates von Kos (4. Jhd. v. Chr.) in der Humoralpathologie (griech./lat. Humor = Feuchtigkeit, Körpersaft), die davon ausgeht, dass eine fehlerhafte Zusammensetzung der Körpersäfte (Blut, Schleim u.a.) Krankheiten verursachen kann.

 

Das Ziel all dieser unterschiedlichen Verfahren ist die Entgiftung und Reinigung des Körpers, indem schädliche Stoffe (Stoffwechselendprodukte, Gifte etc.) z.B. über die Haut oder über das Blut aus- oder umgeleitet werden. Die Vorstellung, dass man so Krankheiten heilen kann vertrat schon der legendäre Arzt und Philosoph Paracelsus (1493-1541): "Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe ausleeren. Und wo sie dies nicht selbst fertig bringt, dort mach' ein Loch in die Haut und lasse die schädlichen Stoffe heraus".

 

Heute gehen wir in der Naturheilkunde davon aus, dass diese „schädlichen Stoffe“ die Körperfunktionen stören und Auslöser vieler Erkrankungen sein können. Auch diese Theorie wird von der Schulmedizin nicht anerkannt.

 

  •  Aderlass nach Hildegard von Bingen

Der Aderlass gehört zu den schon in der Antike gebräuchlichen Therapieverfahren, bei welchem dem Körper Blut entzogen wird zur Ausleitung schädlicher oder zu viel vorhandener Körpersäfte. Hildegard von Bingen (1098 -1179) schreibt in ihrer Schrift "causae et curae" über Ursprung und Behandlung von Krankheiten: „Sind bei einem Menschen die Gefäße mit Blut gefüllt, so müssen sie von dem schädlichen Schleim und dem durch die Verdauung gelieferten Saft durch einen Einschnitt gereinigt werden.“ Durch den Aderlass nach Hildegard sollen diese krank­heits­­auslösenden Stoffe beseitigt, die Fließeigenschaften des Blutes verbessert und die Selbstheilungskräfte angeregt werden.

 

Der Hildegardaderlass bedarf besonderer Voraussetzungen. So kommen meine  Patienten morgens nüchtern in die Praxis ohne, dass sie sich viel bewegt haben (in diesem Fall sollten Sie z.B. auf das Fahrradfahren verzichten). Auch kommen nur die ersten 6 Tage nach Vollmond dafür in Frage (der Mond sorgt nicht nur für Ebbe und Flut, sondern hat, gemäß der Naturheilkunde, auch Einfluss auf den Flüssigkeitshaushalt des Menschen).

 

Das Blut wird Ihnen mit einer sterilen Kanüle aus der Armvene so entnommen, dass es durch einen Schlauch frei in ein Gefäß fließen kann. Sobald die Farbe des Blutes umschlägt oder das Blut von alleine aufhört zu fließen wird der Aderlass beendet. In der Regel ist dies bereits nach 50-180 ml Blut der Fall. 

 

Bitte beachten Sie, dass der Aderlass ein Verfahren der Naturheilkunde ist und von der evidenzbasieren Medizin nicht anerkannt ist. Gleichwohl habe ich mit dieser Methode viele gute Erfahrungen machen können.

 

  •  Blutegel

Der speziell für medizinische Zwecke gezüchtete Blutegel (Hirudo medicinalis officinalis) erlebt seit einiger Zeit wieder enormen Aufwind, da seine medizinische Wirksamkeit nicht nur äußerst effektiv sondern mittlerweile auch wissen­schaftlich belegt ist. Er bewirkt mit seinem kaum spürbaren Biss und dem damit verbundenen Blutverlust einen kleinen Aderlass und gibt zudem über seinen Speichel über 20 verschiedene Substanzen ab, die u.a. schmerzstillend, entzündungs­­hemmend, gerinnungshemmend und blutver­dünnend wirken.

 

Abhängig von der Diagnose kommen 2 bis max. 10 Egel zum Einsatz. Die ca. 2 bis 4 cm langen Egel werden direkt auf die gereinigte Haut gesetzt und fallen nach ca. 10 bis 100 Min. von alleine wieder ab, wenn sie sich vollgesogen haben. Im Anschluss an die Behandlung kommt es zu einer therapeutisch gewünschten Nachblutung, die mehrere Stunden dauern kann und durch einen geeigneten Verband aufgefangen wird.

 

  • Schröpftherapie

Die Schröpftherapie zählt zu den ältesten naturheilkundlichen Behandlungen überhaupt, die seit Jahrtausenden in unterschiedlichen Kulturkreisen angewandt wird. Man unterscheidet das trockene Schröpfen, das blutige Schröpfen, die Schröpfkopfmassage sowie das pulsierende Schröpfen. Allen gemeinsam ist, dass Schröpfköpfe mit Unterdruck auf die Haut aufgesetzt werden und so die Durchblutung in dem behandelten Gebiet angeregt wird.

 

Nach Johann Abele (1940-1999), Arzt für Naturheilverfahren, können auch innere Organe über Reflexzonen, mit denen sie verbunden sind, positiv beeinflusst werden. Die Art der Schröpfbehandlung richtet sich nach der Diagnosestellung.

 

Bei der Schröpftherapie handelt es sich um ein Verfahren der allgemeinen Naturheilkunde, das von der evidenzbasierten Medizin nicht anerkannt ist.

 

  • Baunscheidtieren

Bei dem von Carl Baunscheidt (1809-1973) entwickelten Verfahren werden mit Hilfe eines Stichelgerätes feine Hautöffnungen geschaffen, die zusammen mit dem im Anschluss auf die Haut aufgetragenen speziellen Öl (Baunscheidt-Öl) für eine Reizung der Haut und damit für eine länger anhaltende Durchblutung in diesem Bereich sorgen. Nach eigener Erzählung habe Baunscheidt die Idee dazu gehabt, als eine Mücke ihm in die rheumakranke Hand stach und seine Schmerzen daraufhin verschwanden.

 

Auch diese Therapie gehört zur Erfahrungsheilkunde und ist durch die evidenzbasierte Medizin nicht anerkannt.